Generationsübergreifender Sex rettete mein Leben

Der Autor und Performancekünstler Kirk Read schreibt in seinen Memoiren von seiner Beziehung zu einem Mann, als er 13 Jahre alt war. Er kritisiert den Missbrauchsbegriff, wie er heute verwendet wird.

Entnommen aus der Sammlung Positive Erinnerungen, zusammengestellt von T. Rivas

Einige Teile wurden von JUMIMA übersetzt.
Englischer Originaltext

Es geht bei dem Fall um den schwulen Journalist Kirk Read, der das autobiographische Buch “How I learned to snap” geschrieben hat. Es folgen einige Zeilen einer Rezension des Buches von “Trevor”.


“Generationsübergreifender Sex rettete mein Leben” - Kirk Read

In seinem ersten Buch erforscht der schwule Journalist Kirk Read, der im ganzen Land in Zeitungen publiziert, seine Kindheit und Jugend, und wie er sich im Bibel Belt von Shenandoah Valley mit seiner schwulen Identität arrangierte.

Read fand schließlich als Dreizehnjähriger die ersehnte Beziehung mit einem erwachsenen Nachbarn namens Rich, der ihm, wie er versichert, “mein Leben rettete.” Er hat das Gefühl, dass diese und andere generationenübergreifenden Beziehungen in seiner Jugend in hohem Maße zu seiner sexuellen Entwicklung beigetragen haben, und nennt bei diesem Thema auch Details.

Er stellt fest:

“Ohne Sex im jungen Alter hätte sich meine Verunsicherungsphase jahrelang in die Länge ziehen können, und sie wäre wirklich schwierig geworden.

Sex mit einem älteren Mann hat wahrscheinlich meinen Coming-Out-Prozess um Jahre verkürzt. Wenn es Rich nicht gegeben hätte, hätte ich mich möglicherweise in ein trübseliges Gothic-Kind verwandelt. Eine wirklich schreckliche Vorstellung. Wenn unsere Beziehung entdeckt worden wäre, hätte Rich wahrscheinlich einige Zeit im Gefängnis verbringen müssen. Während der Zeit, als wir Sex hatten, ist mir niemals klar gewesen, dass er buchstäblich seine Freiheit für mich riskierte.

Der einzige Bezugsrahmen der amerikanischen Kultur für Sex mit Minderjährigen ist Missbrauch. Ich bestreite nicht, dass es Missbrauch gibt, aber es sollte immer der Einzelfall beurteilt werden. Der pauschale Ansatz, der jeden Sex zwischen Minderjährigen und Erwachsenen kriminalisiert, missachtet die Wahrheit, dass für viele schwule Teenager Sex mit einem Erwachsenen eine wunderschöne, lebensverändernde Erfahrung sein kann. So war es bei mir.”


Auf der Seite queer.de gibt es ein kurzes Interview mit Kirk Read indem er über seine Beziehungen zu Männern als 14-Jähriger befragt wird:

Interviewer: Sind deine Geschichten über die Beziehung, die du als 14-Jähriger zu einem älteren Mann hattest, eine Art Geständnis?

Kirk Read: Es herrscht eine regelrechte Paranoia über den Sex von Jugendlichen. Ich hatte sehr positive sexuelle Erfahrungen als Teenager. Meine Beziehungen zu älteren Männern halfen mir, mich zum Erwachsenen zu entwickeln. Besonders in Amerika ist die Vorstellung, dass ein älterer Mann und ein Teenager Sex haben, so erschreckend wie der Antichrist persönlich. Es ist geradezu radikal zu sagen, dass man durch diese Beziehung nicht geschädigt wurde. Als Ketzerei wird die Behauptung angesehen, dass sie heilend wirken könnte. Als ich 10 und 12 war, hatte ich Sex mit Jungs in meinem Alter. Es war miserabel! In der Pubertät wollte ich einen erfahrenen Mann, der mir zeigte, wie es geht. Ich denke, wenn die Verständigung stimmt und alles auf beiderseitigem Einverständnis beruht, sollte jeder tun können, was er will.


Source: How I Learned to Snap: A Small-Town Coming-Out and Coming-of-Age Story, von Kirk Read, Hill Street Press, 2001

Ich umarmte Rich fast jede Nacht, bevor ich von seiner Wohnung nach Hause ging. Wenn ich geweint hatte, dauerten die Umarmungen lange, während er mir kühle Luft in den Nacken blies. Dann, ob ich traurig war oder nicht, dauerten sie einfach länger.

Dies war eine unserer längsten Umarmungen. Die Chronic Town EP von R.E.M. lief auf Richs Anlage, die am Ende jeder Seite automatisch die Kassetten umdrehte. Wir hatten das 20-minütige Album an diesem Abend bereits dreimal gehört, aber wir ließen es einfach weiterlaufen.

"“Suspicion yourself, suspicion yourself, don’t get caught”, wiederholte der Sänger.

Die Fensterläden waren wie immer ganz unten. Wir zitterten beide und unsere Hände rutschten langsam über den Rücken des anderen.

“Gentlemen, don’t get caught."

Wir haben uns nicht geküsst. Wir konnten unsere Steifen durch unsere Hose spüren. Wir hatten seit Monaten dieselbe Art Stange [protrusions] habt. Ein paar Wochen zuvor hatte ich ihn in Shorts umarmt und ein beängstigend großes Zelt in seinem Vorgarten aufgeschlagen. Schließlich ruhten unsere Hände ineinander. Wir haben das Zelt geöffnet und uns schließlich vorsichtig erkundend berührt.

“I could live a million."

Wir streichelten uns langsam und dann hektisch wie Hunde. Wir hatten jetzt seit einem Jahr mit dieser unbenannten Spannung gelebt. Wir konnten uns nicht länger zurückhalten.

“We stumble through the A … B … C …"

Mein Sperma traf zwei Metallklappstühle am Fenster. Es klang wie ein Vogel, der auf einem Blechdach zu Tode fiel und dann runterkullerte. Kometen tanzen mit gebrochenen Füßen. Wir lachten, als wir es später abwischten, mein erster Beweis dafür, dass es ein Leben außerhalb der Stadtgrenzen von Lexington, Virginia, gab.

Dieses Album kommt überall hin mit. Jedes Mal, wenn ich es sehe, kaufe ich es. Ich habe es auf Vinyl, CD und Kassette. Ich werde nie müde von den düsteren Texten, von denen ich die meisten nicht mal verstehe. Dunkel, schlammig, begraben [Obscure, muddy, buried] - der perfekte Soundtrack einer aufkeimenden Jugend.

Diese Umarmung war die gegenseitigste [most mutual], einvernehmlichste sexuelle Handlung, die ich in meinem ganzen Leben hatte. Alles hat sich seitdem weniger rein angefühlt.